Forschungsprofil

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Das Verhältnis von Geschichte und Medien wurde in den letzten Jahrzehnten aus verschiedenen Perspektiven diskutiert. So hat einerseits die aktuelle Berichterstattung immer wieder Debatten ausgelöst, die um die mediale Inszenierung historischer Ereignisse kreisen. Andererseits hat sich in neueren Theorien der Medien wie der Geschichtsschreibung die Frage gestellt, wie unterschiedliche Medien die Kodierung historischer Situationen und Prozesse bestimmen. In all diesen Fällen und Problemlagen geht es nicht nur um eine wechselseitige Abhängigkeit von Ereignis- und Symbolstruktur, sondern noch grundlegender um die Reichweite jener medialen Bedingungen, die über die Gestalt dessen entscheiden, was als ‚Geschichte‘ wahrgenommen und erfahren werden kann.

Das Graduiertenkolleg Mediale Historiographien nimmt Diskussionen dieser Art zum Anlass und verfolgt eine Problemstellung, in der sich die Frage nach einer ‚Geschichte der Medien‘ mit der Frage nach den ‚Medien der Geschichtsschreibung‘ verschränkt. Ein historischer Ausgangspunkt wird zum einen in jenen Medienumbrüchen erkannt, mit denen sich seit dem 19. Jahrhundert eine Schrift- und Buchkultur um weitere Massenmedien, neue technische Kommunikationsmedien und Bildmedien ergänzt hat; zum anderen in der Entstehung moderner Geschichtsbegriffe, die sich seit Ende des 18. Jahrhunderts um die problematische Spannung zwischen Ereignis und Prozess ausgeprägt haben.

Die Verschränkung von Medien und Geschichte lässt sich dabei – im Zeitraum von 1800 bis zur Gegenwart – auf unterschiedlichen Ebenen thematisieren. Während man in den Massenmedien Selektionsbedingungen für die Relevanz von Ereignissen erkennen kann, liefern unterschiedliche Darstellungsmedien (Text- und Bildmedien, analoge und digitale Medien) je verschiedene Repräsentationsweisen von historischen Zusammenhängen, Brüchen und Umwälzungen. Und während Kommunikationsmedien (von der Telegraphie bis zum Internet) eine eigene Qualität historischer Daten produzieren, wird die Geschichtsschreibung selbst auf jene medialen Infrastrukturen verwiesen, die mit Archiven und Bibliotheken, Sammlungen und Museen bestimmte Speichertechniken zur Verfügung stellen. Mit diesen Fragen geht es nicht nur darum, die Rolle von Medien bei der Formation historischen Wissens zu verfolgen. Es werden vielmehr Aufschlüsse über die Wirksamkeit von Medien in verschiedenen Kulturen erwartet, die nicht zuletzt in die Frage nach der Möglichkeit von Mediengeschichte selbst münden: in die Frage nämlich, wie Medien und Medientechniken ihre je eigene Geschichtsschreibung bestimmen.

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Research profile

In the last decades, the relation between history and media has been discussed from different points of view. There are two main reasons for this: first of all, media reports of the last few years have triggered debates about how the media stage and enact historical events; secondly, recent theories of media and of history have posed the question of how various media encode historical situations and processes. In any case, the issue is not only one of the interdependence between event and symbolic structure, but, even more fundamentally, it concerns the conditions within media that determine the design of what is perceived and experienced as “history”.

The Graduate Research Programme on ‘media historiographies’ uses these lines of thought as points of departure, combining them in a attempt to ascertain the manner in which the question of a “history of media” intersects the question of “media of history”. The double focus is reflected in the concrete material and contexts the Graduate Research Programme is planning on analyzing: on the one hand, the nineteenth century’s shift in media development, in the course of which mass media, new media technologies of communication, and media of visualization supplement; on the other hand, the emergence of modern historical concepts which as of the late eighteenth century centered on the persisting tension between event and process.

The crossingover of media and history, such as it took place from the eighteenth century onward, will be addressed on different levels. Whereas mass media determine how to select the significance of various events, the various media of representation and their parameters (writing and visualization, analogue and digital media) determine the very modes of representation, thus establishing a specific historical (dis-)continuity. Communication media (ranging from telegraphy to the internet) produce a specific quality of historical data, but at the same time, historiography itself is subject to a certain infrastructure of media. This infrastructure in turn supplies techniques for storage in the form of archives, libraries, collections, and museums. These questions do not only concern the function of media in the formation of historical knowledge. Rather, they cast a revealing light on the efficacy of media within different cultures. All of this can be seen to frame the general question of how a history of media as such is possible – in other words, in what way media and media techniques provide the conditions of their own historiography.

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