Jan Philip Müller 

Audiovision und Synchronisation.

Sehen, Hören und Gleichzeitigkeit im Tonfilm

Tonfilm ist nicht nur eine Ergänzung in der Kinogeschichte. Das Auftreten des Tonfilms ist auch überhaupt früher Anlass eines weitreichenden Diskurses darüber, was Audiovision eigentlich sein könnte und sollte. Noch allgemeiner könnte sogar davon gesprochen werden, dass Tonfilm eins der ersten großen Projekte der Konvergenz technischer Medien ist, die heute – vielleicht besonders angesichts des Computers – als zentraler Aspekt von Mediengeschichte erscheint. Es lassen sich also andere Linien ziehen, die das Aufkommen des Tonfilms durchqueren. Ein solcher Versuch soll hier unternommen werden mit dem Aufsuchen verschiedener Zusammenstellungen, in denen es um Hören und Sehen und Gleichzeitigkeit geht. Wenn zum Beispiel im experimentalpsychologischen Labor Wilhelm Wundts Wissen über die Wahrnehmung des Menschen produziert wird, heißt es Komplikation, wenn versucht wird, bewegte Bilder und Ton technisch zu koppeln, heißt es Synchronisation; wenn filmtheoretischer Diskurs darüber verhandelt, wie nun mit dem neuen Medium Tonfilm umzugehen sei, heißt es vielleicht Asynchronismus. Geht man von der These aus, dass im 19. Jahrhundert die Sinne aufgeteilt werden, dann wird in diesen Zusammenstellungen an irgendeiner Stelle Heterogenes gleichzeitig passieren. Aber an welcher Stelle? Und was bedeutet diese Gleichzeitigkeit?

Jan Philip Müller studierte Kulturwissenschaft und Volkswirtschaftslehre in Berlin. Zwischen 2002 und 2006 war er in verschiedenen Kulturprojekten, -veranstaltungen und -institutionen tätig. Seit September 2006 Stipendiat im Graduiertenkolleg "Mediale Historiographien".