Christoph Eggersglüß
 

An/Architektur. Medien zwischen Fakt und Fiktion
Technophänomene an den Rändern fabrizierter Geschichte(n)

Das Promotionsvorhaben widmet sich der Untersuchung einer Epistemologie künstlicher Welten und der historischen Reflexionsleistung der Medien und (Denk-)Werkzeuge der An/Architektur. Im Mittelpunkt stehen mediale Hybriden, welche eine Differenz von Fiktion und Fakten(-Wissen) unterlaufen und ein Erzählen, Fingieren und Inszenieren in der Architektur ermöglichen. Somit sollen in ungebauten Architekturprojekten (photographische, filmische Studien, Papierarchitektur, Notizbücher, Skizzen) und im scheinbar ‚wilden‘, von der etablierten Ordnung exkludierten Gebrauch der Architektur solche Momente gesucht werden, die Architektur mit dem Präfix ‚an-‘ versehen und es damit erlauben, den Blick auf die Architekturpraxis zu verschieben: ‚An-Architektur‘ kann als ‚Nicht-Architektur‘ verstanden werden, die einen zur gebauten Umwelt abgegrenzten Raum der Kritik aufmacht, oder gar mit ‚Anarchi-Tektur‘ als ein Prinzip gedeutet werden, welches eine ‚führer- oder zügellose Baumeisterei‘ beziehungsweise das scheinbar unkontrollierte, nachträgliche Modifizieren großer Artefakte beschreibt. Ziel ist es, An/Architektur als diskursive Formation herauszuarbeiten.

Interessant sind dabei mediale Anordnungen, die einen Austritt aus der etablierten (Entwurfs-)Ordnung leisten, um in einer Schleife wiederum Architektur zu werden. An/Architektur begründet ein paradoxes Verhältnis von Fabrikation und Spekulation: Indem sie die stabilisierenden Infrastrukturen der Gesellschaft angreift, werden diese nicht verworfen sondern umgeschrieben, das vermeintlich Unvorhersehbare erprobt und erneut fixiert.

Es sollen Phänomene, Techniken und Taktiken analysiert werden, die an den Rändern der Architektur Strategien und Technologien durchqueren, modifizieren und manipulieren. Mit An/Architektur sollen im Anschluss an Robin Evans und Gordon Matta-Clark Stellen und Verfahren beschrieben werden, die am status quo der Architektur arbeiten, andere Wissens- und Machtordnungen bilden und das Zusammentreffen von Menschen und Dingen auch für eine wissensgeschichtliche Betrachtung öffnen. Damit zielt die Arbeit nicht allein auf die Beschreibung von Geschichten im Raum sondern auf die Manipulation von Raumgeschichte.

Im Fokus stehen ‚Gegenpraktiken‘, die sich der durch die Architektur etablierten Dispositive bedienen. Die Beobachtung dieser Techniken und Technologien wird nicht zuletzt durch Entwürfe in Zeichnung, Photographie, Bewegbild, Prototyp und Modell möglich; doch können sie je nach Kontext sowohl technische als auch epistemische Dinge sein, um Experimentalzusammenhänge und neue Relationsgefüge in Architekturen herzustellen und alternative, fabrizierte Geschichte(n) zu erzählen. Zudem sollen ausgewählte Filme nach ihrem Konstitutions- und Reflexionspotential solcher künstlicher Agenten und spekulativer Modellierungen von Welt befragt werden. Zu beachten wäre dabei, wie diese Medien den Zugriff auf Raum, Zeit und Geschichte bedingen.

 

 

Christoph Eggersglüß studierte Europastudien an der Universität Bremen (B.A. 2007) und Media and Communication Studies und Science and Technology Studies in Göteborg (2006). Im Jahre 2007 zog es ihn nach Weimar, wo er im Juli 2010 an der Bauhaus-Universität sein Masterstudium der Medienkultur mit einer Arbeit über Tinkering abschloss.  Von Februar 2009 bis Dezember 2010 arbeitete er am Internationalen Kolleg für Kulturtechnikforschung und Medienphilosophie (IKKM) als wissenschaftliche Hilfskraft, war Redaktionsmitglied der studentischen Zeitschrift micro und ist Mitbegründer von eject - Zeitschrift für Medienkultur. Seit 2011 ist er Stipendiat am Graduiertenkolleg Mediale Historiographien.