Julia Heunemann
Das Feld im Meer. Formationen des Maritimen als Raum des Wissens im
19. Jahrhundert
Im 19. Jahrhundert richtet sich der Blick der Naturforschung auf ein immer
enger werdendes Netz an Fragestellungen im Hinblick auf die Historizität
universaler Phänomene. Im Zuge der Erforschung von Erdgeschichte und
Evolution der Lebewesen rückt die Tiefsee in den Fokus der Wissenschaft.
Gab vordem maßgeblich die Navigation Anlass zu systematischen
Beobachtungen natürlicher Phänomene auf dem Meer, setzt um 1850 eine
Erweiterung des wissenschaftlichen Horizonts in die Vertikale ein. Mit dem
grenzübertretenden Blick in die Tiefe verliert das Meer seinen Status als
bloßes Oberflächenphänomen und beginnt, vom abendländischen Verständnis
der Umwelt im Sinne eines Lebensraumes umfasst zu werden.
Insofern sich die Tiefsee aber einer unmittelbaren Wahrnehmung entzieht,
ist ihre Erforschung auf eine Reihe von Techniken und Methoden angewiesen,
die ihr Untersuchungsobjekt im symbolischen Raum seiner medialen
Rekonstruktion verorten.
Die medientheoretische und wissenschaftshistorische Dissertation
fokussiert die Bedingungen und Auswirkungen des Umbruchs in der
wissensgeschichtlichen Annäherung an das Meer. Anhand einer
Kontextualisierung der Geschichte der Ozeanographie im Hinblick auf ihre
Teildisziplinen wie Geologie, Hydrographie und Biologie versucht sie eine
Rekonstruktion der wechselseitigen Beziehungen zwischen theoretischen
Konzeptionen der Naturforschung und medientechnischen Praktiken als
Figuren des ozeanographischen Wissensdiskurses.
In der Absicht, den Wandel des Meeres zum epistemologischen Raum
beschreibbar zu machen, fragt die Arbeit nach den theoretischen Diskursen
und ihrer Rezeption, nach den institutionellen Akteuren der Ozeanographie
sowie nach ihren spezifischen Techniken und Methoden der
Wissensgenerierung. Zentrales Anliegen einer Zusammenschau dieser
wissensgeschichtlichen Faktoren ist es, den historischen Formationen des
Meeres als Raum des Wissens auf den Grund zu gehen
Julia Heunemann studierte Medienkultur
und Kommunikationswissenschaften in Weimar und Siena. Nach ihrem Abschluss
als Diplom-Kulturwissenschaftlerin (Medien) im Jahr 2006 war sie für
Museums- und Ausstellungsprojekte im In- und Ausland tätig. Seit Oktober
2010 ist sie Stipendiatin am Graduiertenkolleg Mediale Historiographien.
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